Reviews

Stunchile im Jazzhaus Freiburg

Wie nennt sich das hier gleich noch? Ah ja: Konzertbericht. Nach so einer langen Zeit ohne Shows muss man sich erst wieder sammeln. Und nun, 16 Monate (!) nach der letzten Review, war es endlich wieder soweit: ein Live-Konzert im Jazzhaus mit Stunchile. Die Vorfreude war immens.

Los ging der Abend recht bürokratisch: Da dieser Abend ein „Modellprojekt“ zum Thema Corona vs. Konzert war und das Jazzhaus auf diesem Gebiet quasi Pionierarbeit betreibt, musste jeder Musikfan am gleichen Tag einen Test gemacht haben, vor Ort eine Registrierung vornehmen und im Inneren noch einmal einen PCR-Test durchführen. Und wie kam das Ganze vor Ort an? Der Aufwand war offensichtlich jedem/jeder vor Ort egal, denn trotz dieses kleinen Marathons und Maskenpflicht auf den Sitzplätzen während der Show war die Stimmung sehr ausgelassen. Das Jazzhaus war nach diesem Prozedere gut gefüllt. Es waren nicht 200 Besucher*innen vor Ort (das wäre das Maximum gewesen), doch der dreistellige Bereich wurde mit Sicherheit erreicht.

Und dann ging es endlich los, nach einem kurzen Intro kamen Stunchile auf die Bühne und legten mit lauten Gitarren direkt los. Livemusik, wie lange habe ich auf dich gewartet! Das Trio spielt bluesigen Rock, macht aber gerne und oft Ausflüge in den Rock’n’Roll. Das bietet sich an, denn neben den Riffs und groß angelegten Soli bietet Frontfrau Leonies rauchige Stimme viel Charme und kann in jedem Bereich glänzen, egal ob schnelle oder ruhige Nummer. Ein Beispiel: In der Mitte des Sets gab es ein Motörhead-Cover zunächst nur mit ihr am Keyboard, was frenetisch gefeiert wurde.

Die Stimmung war durchweg gut und sehr locker. Ein Beispiel: Als Gitarrist Lurchi ein Knopf am Hemd aufging und er diesen nicht ganz unauffällig wieder zumachte, war der Austausch zwischen Band und Publikum besonders hoch.

Klanglich war der Abend auch sehr gut. Man merkte jedoch deutlich, dass dem Gewölbekeller – besonders in der letzten Reihe – stehende Menschen mehr zusagen, denn an der hinteren Decke/Wand kam der Hall der Bühne wieder zurück. Ansonsten war das ein klasse Abend, der seitens des Jazzhaus sehr gut durchgeplant wurde. Die Gäste vor Ort kamen mit über einer Stunde Set und zusätzlichen Zugaben auch voll auf ihre Kosten. Das wird vermutlich auch die einzige Show bleiben, an der es draußen wärmer als drinnen war.

Wir sind gespannt, wie es im Jazzhaus mit den Besucherzahlen nun weitergeht und drücken die Daumen, dass in Kürze dann mehr Clubs, Festivals und weitere Kultureinrichtungen nachziehen dürfen und mehr Normalität zurückkommt.

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