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Youth Okay im Interview

Schon mal von der Band Youth Okay gehört? Die Münchner hauen demnächst ihr Debütalbum raus, sorgen vorab schon für richtig Aufmerksamkeit und haben ihren eigenen Sound gefunden. Was es damit auf sich hat, was es mit dem Bandnamen auf sich hat und was für die Band der Band wichtig ist, erfahrt ihr in diesem Interview.

1. Neue Bandprojekte, neuer Schwung? Was war für euch der Grund, eine neue Band namens „Youth Okay“ zu starten? Ein Teil von euch war z. B. lange Zeit mit Naked Superhero unterwegs und die Band lief offensichtlich nicht schlecht!?
Ich denke, an Schwung hat es uns nie gefehlt. Wir haben nur gemerkt, dass wir uns gerne für Themen einsetzen wollen, die uns in den letzten Jahren immer mehr bewegt haben. Außerdem wollten wir für uns einen neuen Klang entwickeln, in dem wir mehr Freiheiten und Diversität im Songwriting haben. Mit unseren ehemaligen musikalischen Projekten haben wir sehr viele Erfahrungen und Einblicke in die Musikbranche gewonnen, und wir sind froh über jede Einzelne von ihnen. Allerdings wurden diese Bands teilweise gegründet als wir 13 Jahre alt waren, und noch nicht genau wussten, für was wir stehen wollten und in welchem Genre wir uns eigentlich wohl fühlen. Als wir dann vor mehr als einem Jahr anfingen, an unserem jetzigen Debüt-Album „Turns“ zu schreiben, haben wir gemerkt, dass diese alten Konzepte nicht mehr zu unseren Inhalten und zu unserer Musik passt. Trotzdem hat es danach noch fast 12 Monate gebraucht, um dieses neue Gefühl in unserer Band YOUTH OKAY zu verwirklichen.

2. Was hat sich im Vergleich zu den alten Projekten geändert?
Die größte Veränderung ist unser Klang. Seit wir zusammen Musik machen, haben wir immer Posaune und Trompete als Teil unserer Musik genutzt. Zum einen ist das ein massiver Vorteil, da man sich automatisch von anderen Bands unterscheidet. Zum anderen schränkt der Klang dieser beiden Instrumente die Musik ziemlich ein, weil man Rock-Musik mit Bläsern immer in die Ska-Schublade steckt. Wir haben als YOUTH OKAY deswegen mit elektronischen Filtern und Effektgeräten herumexperimentiert, die wir an unsere Blasinstrumente angeschlossen haben. Der Klang, der dadurch erzeugt wird, klingt nach Synthesizern, ist aber gleichzeitig viel lebendiger, weil der Grundton von einem Menschen und keiner Maschine erzeugt wurde. Um das alles überhaupt möglich zu machen, arbeiten wir mit unveröffentlichten Prototypen eines australischen Herstellers. Diese Technik gibt uns so unfassbar viele Möglichkeiten, dass wir uns nach wie vor erst am Anfang befinden, aber wir haben uns damit unseren eigenen Weg durch die Musikwelt geschaffen.

 

3. „Youth Okay“ ist natürlich ein weit interpretierbarer Name, daher unsere Frage: Wie war eure Jugend? Nur okay oder doch besser?
Die Jugend ist immer etwas sehr Individuelles. Jeder von uns hat genau wie jeder dort draußen seine eigenen Geschichten, Schicksalsschläge und Erfahrungen zu tragen. Die Bewertung, wenn man denn eine machen möchte, bleibt einem dann selbst überlassen, und hängt auch oft von einer aktuellen Sichtweise ab. Hinter YOUTH OKAY steht genau diese Frage: Geht es der Jugend gut? Geht es dir gut? Bist du glücklich in der Welt, in der du aufwächst oder aufgewachsen bist? Unser persönlicher Ansporn ist allerdings, den Fokus immer auf das Positive zu richten, auf die Hoffnung, egal in welcher Situation du dich gerade befindest. Im aktuellen Album wollen wir den öffentlichen Umgang mit psychischen Krankheiten in Frage stellen. Da meine Mutter unter einer starken manischen Depression litt, möchte ich als Angehöriger auf einige Missstände aufmerksam machen, die nach wie vor im Umgang mit betroffenen Personen in unserer Gesellschaft vorherrschen. Es ist leider immer noch eine Art Tabu-Thema … bei weitem nicht so schlimm wie früher – aber nach wie vor fällt es Betroffenen oft schwer sich ihren Freunden anzuvertrauen, dass sie Angst davor haben, abgestempelt zu werden.

4. Ihr mixt Rock/Punk mit Ska, aber nicht auf herkömmliche Weise: Ihr schießt die Blasinstrumente zusätzlich durch Effektgeräte. Wie seid ihr darauf gekommen, diesen ungewöhnlichen Weg zu gehen?
Ich denke unsere jetzige Musik hat nichts mehr mit Ska zu tun. Das ist auch einer der Hauptgründe, der hinter unserer Neugründung steckt. Wenn man sich die neue Musik anhört, die wir als YOUTH OKAY machen, wird man keine Assoziation mehr mit Songs aus unserem alten Projekt haben. Dieser Schritt ist bei uns eher unterbewusst passiert. Wir haben uns weiterentwickelt und uns einen neuen Sound gewünscht. Die ursprüngliche Idee entstand tatsächlich in einer Bandproben-Pause vor mehr als 2 Jahren, als sich unser Trompeter Krischtn einfach mal mit einem simplen Tonabnehmer in unser Gitarren-Effektpedal gesteckt hat. Der Sound war unfassbar grauenhaft und doch irgendwie faszinierend und hat uns seitdem als Idee verfolgt.

5. Wie würdet ihr euren Sound selbst beschreiben? Wir fragen für alle die Schubladendenker da draußen, damit die auch wissen, um was es geht 😉
Unser Grundgenre ist Alternative Rock. Wir haben noch ein Brass FX drangehängt, um unser Hauptmerkmal hervorzuheben. Allerdings fällt es uns schwer, uns in bekannte „Schubladen“ einzuordnen, deshalb kann sich jeder unsere Musik anhören und für sich entscheiden, welchem Sub-Genre wir für sie oder ihn angehören. Für uns machen wir einfach nur Musik, in der wir uns wohl fühlen.

6. Ihr habt bereits drei Singles veröffentlicht, und demnächst folgt das erste Album “Turns“: Was kann der Hörer/die Hörerin erwarten?
Einen neuen Sound.

 

7. Normalerweise bohre ich gerne nach, warum es eine Platte „nur“ digital gibt, oder warum es doch „altmodisch“ eine CD wurde. Bei euch ist es nun so, dass man ab dem 04. Juli Vinyl, CD, und ein Buch über Munich Warehouse vorbestellen kann. Danach geht’s digital weiter. Das macht es mir schwierig, daher folgende Frage: Was hat es mit dem Buch auf sich?
Der Nicht-Digitale Markt ist im Moment einfach schwierig. Je jünger die Generation, desto weniger spielen physische Datenträger eine Rolle. CDs verstauben im Regal, funktionieren oft nicht mehr, es gibt keinen CD-Spieler mehr und alles was diesem alten Medium noch bleibt ist ein Erinnerungswert. Deshalb fokussiert sich unser Booklet nur auf diesen Aspekt, in einer konzentrierten und erweiterten Form. Es ist deutlich größer als ein reguläres Booklet, und beinhaltet Bilder, Stimmungen und Texte, die uns in diesem Album beeinflusst und begleitet haben. Wir haben als gesamte Band mit dem Grafikdesigner Felix Widmann sehr viel Zeit und Liebe in dieses Produkt gesteckt und wollen damit die Leute ansprechen, die sich gerne eine Erinnerung an eine Band mitnehmen möchten, aber kein Interesse mehr an CDs haben. Ein Download-Code für das Album ist natürlich im Booklet inklusive.

8. Trotz der kurzen Zeit, die ihr nun existiert, flimmert bei mir ständig „Youth Okay“ über den Bildschirm. Was würdet ihr sagen, woher kommt diese starke Präsenz? Lässt sich das lediglich den „alten“ Kontakten zuschreiben, oder was würdet ihr sagen?
Das sind mit Sicherheit mehrere Faktoren. Zu erst einmal hätten wir nie damit gerechnet, wie viel Reichweite unser neues Projekt nach nur so kurzer Zeit generieren konnte. An dieser Stelle wollen wir uns zuerst bei der treuen Fan-Base aus unserem alten Projekt bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass uns so viele Menschen auf unserem Weg zu YOUTH OKAY begleitet haben. Die Reichweite, die eine solche Fan-Base erzeugen kann, ist mit Sicherheit einer der Hauptfaktoren. Zusätzlich bekommen wir unfassbar viel Feedback auf die Thematik der psychischen Krankheiten von Betroffenen und Angehörigen. Ich denke, wir haben damit ein Thema angesprochen, dass sehr viele Menschen unserer Gesellschaft beschäftigt und anspricht. Das sind meiner Meinung nach die beiden Hauptfaktoren für unsere digitale Präsenz.

9. Was ist neben der Veröffentlichung geplant? Vermutlich viele Live-Shows?
Im Herbst werden wir eine Tour durch Deutschland machen. Die genauen Termine werden wir schon sehr bald auf unserer Website, Instagram und Facebook veröffentlichen. Und im Sommer 2020 werdet ihr uns auf vielen Festivals hören können.

10. Famous last words?
You‘ll never walk alone.

 

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