
Das erste Mal bin ich mit dem Quintett aus Kanada vor ca. 20 Jahren in Kontakt gekommen, als mir ein Bekannter eine selbstgebrannte CD mit der Aufschrift „CBK“ in die Hand gedrückt hat und meinte, dass ich mir das mal reinziehen soll, da es mir sicherlich gefallen würde. Dem war tatsächlich auch so. Seither verfolge ich die Band rund um Sänger Andrew Neufeld. Glücklicherweise konnte ich sie auch schon einige Male live auf der Bühne sehen und bin jedes Mal fasziniert von der Energie, die sie einerseits auf die Bühne bringen und andererseits auch auf das Publikum übertragen. Seit dem Release von „Die Knowing“ hatten mich die letzten Veröffentlichungen allerdings nicht mehr so abgeholt, sodass ich Comeback Kid die letzten Jahre etwas aus den Augen verloren hatte. Aber mit dem Video zum Titeltrack „Chosen Hell“, das vor ca. zwei Monaten veröffentlicht wurde, waren die Herren direkt wieder auf meinem Schirm.
Ich finde, der Titeltrack umreißt das neue Album sehr gut und man bekommt einen guten Eindruck davon, wie Comeback Kid auf der neuen Platte klingen. Sänger Andrew beschreibt den Track folgendermaßen: „Das Thema des Titeltracks Chosen Hell auf unserem neuen Album dreht sich um Moral und Ethik. Es geht um etwas so Einfaches wie richtig oder falsch. Gut oder böse. Gesund oder ungesund – und um unsere Fähigkeit, eine Entscheidung zu treffen. Oft sind wir nicht in der Lage, das Richtige zu wählen, und finden uns in Situationen wieder, von denen wir wissen, dass sie uns zurückhalten und dadurch unser eigenes Wohlbefinden beeinträchtigen. Was daraus wird, liegt in unserer Hand.“Der erste Track „Target On My Back“ legt direkt mit rasantem Tempo los und erinnerte mich an die alten Releases rund um die „Wake the Dead“-Ära, allerdings in einem modernen Gewand. Das achte Album der Band bringt die Kraft jener musikalischen Elemente noch stärker auf den Punkt, die Comeback Kid seit ihren Anfängen auszeichnen, erweitert gleichzeitig aber erneut ihr kreatives Spektrum. Dabei verwebt die Band Einflüsse von rasend modernem Metal, rotzig-aggressivem Punk und sogar verletzlicher Melodik, die einen reizvollen Kontrast zu ihrem langjährigen und geliebten Sound-Fundament bildet. Zwei Songs erweitern Comeback Kids lange und vielseitige Liste an Gastsängern um neue Namen: Courtney LaPlante, Frontfrau von Spiritbox, bringt ihre rohe, gutturale Wucht in „Shedding Season“ ein, während Brendan Garron von Incendiary die ohnehin schon entfesselte Aggression von „Yesterday’s Gone“ mit seinem charakteristischen Swagger zusätzlich befeuert.
„Chosen Hell“ wurde mit dem renommierten Produzenten und Toningenieur Will Putney produziert. Das Ergebnis ist eine Produktion, die die Wirkung, Kraft und Leidenschaft dieser elf Songs deutlich verstärkt. „Er unterstützt uns außerdem schon von Anfang an, kennt also unseren Ansatz und hat unsere Vision wirklich verstanden“, erzählt Andrew. „Wir haben alle versucht, unsere jeweiligen Stärken bestmöglich einzubringen, und ich denke, das hört man dem fertigen Album auch deutlich an. Insgesamt konnte ich beim Schreiben dieses Albums meine Schutzmauer ein wenig fallen lassen und habe mehr Input von den anderen zugelassen“, ergänzt Neufeld. „Dadurch war der Entstehungsprozess wirklich gemeinschaftlich – auch das ist für uns irgendwie neu.“
Das Artwork des Albums zeigt übrigens eine tatsächlich gebaute Konstruktion, die von Callum Preston in Melbourne, Australien, erschaffen wurde. In Zeiten, in denen zu viele fürchterliche KI-Grafiken unsere Augen verseuchen, finde ich das eine geniale Methode für ein Artwork-Design und auch ein klares Statement.
Im Pressetext steht zudem geschrieben: „Es ist genau diese Mischung aus vertrauter musikalischer Wut und neuen Elementen, die Comeback Kid ihre treue Fangemeinde und ihre außergewöhnliche Langlebigkeit beschert hat – ebenso wie ihre Fähigkeit, diese Wut auf der Bühne unmittelbar zu vermitteln. Es gibt nach wie vor mehr als genug Gründe, wütend zu sein. Doch ‚Chosen Hell‘ ist eine Meisterklasse darin, Schmerz und Wut zu verarbeiten und daraus etwas wahrhaft Erhabenes zu erschaffen – eine Belohnung für das Überwinden der Schwierigkeiten, denen wir alle begegnen. Und wenn Comeback Kid diesen Kurs fortsetzen und ihre eigenen Maßstäbe immer wieder übertreffen, können wir nur gespannt darauf warten, was als Nächstes kommt.“
Mit diesen Zeilen gehe ich komplett mit und kann „Chosen Hell“ nur wärmstens empfehlen. Ich freue mich schon auf das nächste Konzert und bin sehr gespannt, wie die Songs live klingen.