
Vorab starten wir aber mit einem kleinen Band-Intro für all diejenigen, die noch nie etwas von der Band aus Stony Brook (New York) gehört haben: Koyo ist eine amerikanische Punkband, die 2020 gegründet wurde. Die Band wurde als Supergroup von Hardcore-Bands gegründet, darunter SeeYouSpaceCowboy, wobei Sänger Joey Chiaramonte von der Band Typecaste stammte. Im März 2020 veröffentlichten sie ihre Debüt-EP „Painting Words Into Lines“. Ursprünglich hieß die Band „The L Word“, nach dem Song „Taming the L Word“ der melodischen Hardcore-Band Silent Majority aus Long Island. Gitarrist Mike Marazzo schlug später den Namen „Koyo“ vor, benannt nach dem japanischen Begriff für die Farben der Blätter, die sich im Herbst verändern.
Ich kann vorab schon sagen, dass mich „Barely Here“ direkt von Anfang an gecatched hat und mir beim ersten Durchhören klar wurde, dass dieses neue Album noch fetter produziert wurde, wodurch es vermutlich auch noch massentauglicher funktionieren könnte, ohne dies jetzt irgendwie als Nachteil zu sehen. Folgender Auszug aus dem Pressetext beschreibt die neue Scheibe perfekt: „Produziert, aufgenommen und gemischt vom langjährigen Kollaborateur Jon Markson (Drug Church, Drain, The Story So Far), ist „Barely Here“ ein schlanker, 10 Songs umfassender, 28 Minuten langer Ausbruch von extrem hymnischem Punk. Die vertraute Long-Island-DNA der Band ist da – die explosive Energie von The Movielife, die weitläufigen Hooks von Taking Back Sunday, die melodische Rauheit von Silent Majority – aber der eigene Sound von Koyo tritt stärker denn je hervor: eine selbstbewusste Band, die genau weiß, was sie machen will, und darin hervorragend ist.“
Ich würde es mal so beschreiben: Die Riffs sind noch großartiger, die Melodien noch eingängiger, die Drums noch raffinierter und die Vocals noch markanter als beim 2023er Vorgänger. Das wurde bereits bei den ersten Singles „What I’m Worth“, „Irreversible“ und „You hate me“, die bereits vorab mit Video veröffentlicht wurden, schon klar.
Thematisch setzen sich die Songs wie das adrenalingeladene Eröffnungsfeuerwerk „Barely Here“ und „Jet Stream Wish“ mit Unzufriedenheit und Distanz auseinander. Sänger Joey Chiaramontes sagte dazu: „Ich bin wirklich aufrichtig dankbar für das, was für uns passiert ist, aber ich will nicht so tun, als wäre ich die ganze Zeit in dieser großartigen mentalen Verfassung gewesen.“ Es gibt viel Isolation und fehlgeleitete Scham, sich für so ein Leben entschieden zu haben.“ Chiaramonte vertieft diese Themen in Songs wie dem feurigen „Saying Vs Meaning“, mit Gastgesang von Sammy Ciaramitaro von Drain, oder dem antreibenden „You Hate Me“. In „Oxidize“ (ein Duett mit Marisa Shirar von Fleshwater) bekommen die Herausforderungen zu Hause ein sehr greifbares Gewicht, als Chiaramonte davon erzählt, mehr Zeit mit seiner Großmutter verbringen zu wollen, während sie mit Demenz zu kämpfen hat.
Ich kann euch schließlich nur empfehlen, selbst in dieses großartige Meisterwerk reinzuhören und zu hoffen, dass die Jungs irgendwann mal den Weg zu uns nach Freiburg (Umland wäre auch OK) finden, damit wir sie auch live abfeiern können.
Die Video-Doku zu „Barely Here“, die ebenfalls sehr empfehlenswert ist, gibt’s übrigens hier: