Am Ende eines jeden Jahres werden über viele Onlineplattformen die Top 5 aus diversen Kategorien vergeben: Meist gehörte Band, am meisten Live gesehen etc. Bei all diesen Themen sind die Blackout Problems bei mir nicht aufgetaucht, jedoch bekommen sie von mir nach diesem Konzert im Jazzhaus folgenden Zusatz verliehen: Show des Jahres 2025.
Los ging es zunächst mit Lisl, die schon vor 20 Uhr die Bühne enterte, weshalb ich von der Indie-Newcomerin nicht allzu viel mitbekommen hatte. Doch eines wurde in diesen paar Minuten relativ deutlich: Es war eine sehr intime Stimmung, als wir in den Gewölbekeller kamen. Normalerweise sehe ich hier sehr laute Rock- oder Hardcorebands, die ihre Akkorde entlang der Steinmauern peitschen, doch hier war jeder mehr für sich und näher an den Songs. Checkt die Würzburger Band aus!
Weiter ging es danach quasi schon mit dem Intro-Song aus der Konserve, der von fast allen Besucher*innen mitgesungen wurde: The Killers – „Mr. Brightside“. Hier war die Stimmung schon wirklich gut im recht vollen Jazzhaus. Als die Blackout Problems danach auf die Bühne kamen, war es um den Keller geschehen: Mit den ersten Akkorden wurde gesungen, gesprungen, getanzt und ausgerastet. Was die kommenden zwei Stunden folgte, war einfach nur eine Rock-Show von höchster Klasse. Die Münchner hatten viele aktuelle und alte Songs am Start: „Trouble“, „Germany, Germany“, „Black Coffee“, „How Should I Know“ (zumindest kurz angeteasert) und viele weitere mehr schallten aus den Boxen. Selbst als bei einem Holy-Medley kurz der Strom ausfiel, sangen alle einfach weiter und füllten die Pause mit Gesang.
Was wir an dieser Stelle nicht vergessen dürfen: Die Blackout Problems waren das allererste Mal in Freiburg zu Gast! 2022 gab es schon einen Versuch, der allerdings krankheitsbedingt und ersatzlos abgesagt wurde. Dass dann so viele Menschen vor Ort waren und diese unglaubliche Stimmung rausgehauen haben, ist nicht selbstverständlich und das wusste auch die Band zu schätzen: Mehrfach merkte man Sänger Mario und den anderen an, dass sie selbst überwältigt waren und vorher nicht wussten, was auf sie zukommen würde.
Ein Highlight im Set der Münchner war der Song „Murderer“, der 2021 erschien und jeden ungefragt dazu aufforderte, „L.O.V.E“ per Handzeichen auf die Bühne zurückzugeben. Das hatte ich so bisher auch noch nicht erlebt. Dinge, die außerdem neu waren: Mario war wohl der erste Mensch, der der Diskokugel im Jazzhaus einen Knutscher aufdrückte, und wie eine Zwiebel mehrere Outfits übereinander an hatte. Das wurde einem aber erst richtig bewusst, als er die Jacke auszog und darunter dann der nächste Dress zum Vorschein kam.
Die Blackout Problems haben an dem Abend bewiesen, dass sie nicht nur hochfahren, sondern auch mal innehalten können: Kurzerhand wurde das Keyboard direkt auf die Tanzfläche geparkt, die Besucher*innen gingen auf die Knie und es gab einen ruhigen Song, der von Marcus am Saxophon unterstützt wurde. Wie viele Facetten will diese Band noch auspacken?
Als großes Finale gab es „Rome“ auf die Ohren und tatkräftige Unterstützung von der Vorband Lisl am Mikro und an den Saiten. Der Song war der krönende Abschluss und der Refrain wurde am Ende mehrfach wiederholt, um noch die letzten Tanzreserven aus dem Publikum zu kitzeln. Beste Show des Jahres.